Info über Autismus

Die Erscheinungsformen von Autismus sind vielfältig. Dennoch gibt es Merkmale,
die für alle kennzeichnend sind:

  • Schwierigkeiten im sozialen Umgang mit Mitmenschen
  • Schwierigkeiten in der wechselseitigen Verständigung
    und Kommunikation
  • Eingeschränkte Handlungsfähigkeiten

Jeder Mensch ist besonders, so gibt es bei jedem/jeder Betroffenen
unterschiedliche Ausprägungen und Begabungen. In jedem Falle bedeutet
ein Leben mit Autismus besonderen Beratungs- und Unterstützungsbedarf
in allen Altersphasen und Lebensbereichen.



Frühkindlicher Autismus

Im ICD-10, der internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten werden
vier diagnostische Kriterien für den frühkindlichen Autismus benannt:

  • Qualitative Beeinträchtigung wechselseitiger sozialer Aktionen
  • Qualitative Beeinträchtigung der Kommunikation
  • Eingeschränkte Interessen und stereotype Verhaltensmuster
  • Manifestation vor dem 3. Lebensjahr

Darüber hinaus nennt der ICD-10 noch unspezifische Probleme wie Befürchtungen, Phobien, Schlaf- und Ess-Störungen, Wutausbrüche, Aggressionen, Selbstverletzungen.

Asperger Syndrom

Das Asperger-Syndrom unterscheidet sich vom frühkindlichen Autismus in erster Linie dadurch, dass oft keine Verzögerung bzw. kein Entwicklungsrückstand in der Sprache oder der kognitiven Entwicklung vorhanden ist. Hingegen sind in der psychomotorischen Entwicklung und der sozialen Interaktion Auffälligkeiten festzustellen.

Atypischer Autismus

Atypischer Autismus, auch psychogener Autismus oder frühkindlicher Autismus mit atypischem Erkrankungsalter oder Symptomatik genannt, setzt voraus, dass die Betroffenen erst nach dem dritten Lebensjahr erkranken (atypisches Erkrankungsalter) oder nicht alle Symptome aufweisen (atypische Symptomatik). Das heißt, erste Symptome sind erst nach Vollendung des zweiten Lebensjahres feststellbar, oder das Vollbild der Symptomatik des Frühkindlichen Autismus ist nicht nachweisbar.

Autismus-Spektrums-Störung (ASS)

Ist ein Konzept eines fließenden Überganges zwischen den verschieden Formen von Autismus, eine insbesondere im englischsprachigen Raum zunehmende Sicht. In diesem Spektrum haben die einzelnen Störungen unterschiedliche Lokalisationen, unterschiedliche Symptomatiken,
aber auch sehr viele Gemeinsamkeiten

High-Functioning-Autismus

Der Begriff High-Functioning-Autismus existiert zurzeit in keiner offiziellen Diagnoseklassifikation. Es ist eine Variante des frühkindlichen Autismus, bei dem ein höheres Funktionsniveau vorliegt (einem IQ von mindestens 70). Die Betroffenen verfügen meist über gute verbale Fähigkeiten. Der Begriff wird auch für Menschen benutzt, bei denen im Kindesalter die Diagnose Frühkindlicher Autismus erstellt worden ist, die sich gut entwickelt und im Erwachsenenalter eine relativ hohe Selbständigkeit erreicht haben.

Was autistische Menschen uns zu sagen haben:

„Als ich klein war, waren auch laute Geräusche ein Problem. Sie fühlten sich oft an, als träfe
der Bohrer eines Zahnarztes auf einen Nerv. Sie verursachten tatsächlich Schmerzen. Platzende Ballons erschreckten mich zu Tode, weil sich das Geräusch in meinen Ohren wie eine Detonation anhörte. Geringfügigere Geräusche, welche die meisten Menschen ausblenden können, lenkten mich ab. Als ich im College war, klang der Haartrockner meiner Zimmerkollegin wie ein startender Düsenjet…“

Temple Grandin, aus “Ich bin die Anthropologin auf dem Mars“, S. 82

„Mir ist klar, dass ich fast meine ganze Kindheit hindurch meine Mutter einfach nicht hörte. Ihre Bemühungen, geduldig und lieb zu mir zu sein, drangen einfach nicht bis zu mir durch. Ich schenkte ihren Wörtern genauso wenig Aufmerksamkeit wie dem Geräusch eines Wagens, der die Straße entlangfuhr. Ihre Stimme war lediglich Hintergrundgeräusch. Nur wenn sie anfing zu brüllen oder zu schreien, drang sie zu mir durch und holte mich für kurze Zeit aus meinem Schneckenhaus.“

Sean Barron, aus: „Hört mich denn niemand?“ S. 125